Liebe Leser,
die letzten Tage haben mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe jemanden kennengelernt, mit dem ich mich intensiv mit meiner Asexualität auseinandersetzen kann, ohne verurteilt zu werden. Das ist interessant.
Diese Person ist wirklich daran interessiert, mich zu verstehen, zu verstehen, was ich fühle, und das bedeutet automatisch, dass ich wirklich darüber nachdenken und erklären muss, was in meinem Kopf vorgeht. Das bringt mich dazu, wirklich zu reflektieren und auch Gefühle und Gedanken anzusprechen, die mir vielleicht nicht unbedingt gefallen. Das heißt, ich muss ehrlich zu mir selbst sein und Emotionen und Situationen wiederentdecken…
Als Grey- und Aegoace stellte sich mir die Frage: Wo liegt die Diskrepanz zwischen der Theorie dem Erleben im realen Leben? Ich fand diese Frage sehr interessant, denn anstatt zu sagen: „Ach, das passiert einfach. Ich fühle einfach nichts“, begann ich darüber nachzudenken, was ich fühle und warum ich es vielleicht fühle oder auch nicht. Mir wurde klar, dass ich irgendwann gelernt hatte, meine Gefühle – gute wie schlechte – auszublenden, wenn es um körperliche Nähe geht.
Ich kann nur für mich selbst und meine Erfahrungen sprechen, und ich weiß, dass ich nie wirklich viel Eigenantrieb in diesem Bereich hatte, aber darüber hinaus habe ich gelernt, die geringe Verbindung, die ich zum Körperlichen hatte, zu lösen, indem ich jegliche Emotionen gegenüber diesem Thema abgeschaltet habe. Interessanterweise bewerte ich es nicht mal mehr. Mir ist aufgefallen, dass ich mich im Laufe der Jahre noch weiter vom Körperlichen distanziert habe.
Das habe ich durch verschiedene Erfahrungen gelernt. Zum Beispiel durch das Gefühl, nicht gut genug zu sein, oder auch durch den Gedanken, dass ich bestimmte Dinge tun muss, weil es eben so üblich ist – und ganz sicher hat auch das Verhalten bestimmter Menschen nicht gerade geholfen. Damit meine ich, dass man in eine Richtung gelenkt wird, in die man gar nicht gehen will, weil man nicht ernst genommen wird. Und mit „gelenkt“ meine ich, dass man sich selbst zu etwas überredet! Ich nutze mit Absicht „gelenkt“ ich wurde nicht physisch gezwungen.
Auch wenn es schwerfällt, darüber nachzudenken, helfen mir diese Erkenntnisse, mich selbst besser zu verstehen. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich mit jemandem sprechen konnte, der mich dazu angeregt hat, auf eine gute und gesunde Art und Weise darüber nachzudenken. Diese Person will nicht, dass ich irgendetwas ändere; sie will mich einfach nur verstehen, und um das zu ermöglichen, musste ich mich selbst ein bisschen besser verstehen.
Hattet Ihr schon einmal ein gutes, konstruktives Gespräch, das Euch geholfen hat, Teile von Euch selbst besser zu verstehen? Und wenn ja, wie hat es sich auf Euch ausgewirkt?
Ace
